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Leseprobe aus «Sie tragen die Welt auf dem Kopf»

Die Frau im Mond

Es wird Abend. Die Menschen sind auf dem Weg nach Hause. Im Busch lärmen Grille und Ochsenfrosch. Hinter den Bäumen steigt rund und honiggelb der Mond auf. Bernhard, der Lehrer, deutet mit dem Finger auf ihn.
«Sehen Sie das Gesicht? Nase, Augen?», fragt er. «Die Leute hier erzählen ihren Kindern, es sei das Antlitz einer Frau. Sie ist zur Strafe auf den Mond verbannt worden, weil sie an einem Sonntag Holz gesammelt hat.»
NatĂĽrlich, die Geschichte ist auch in Europa bekannt.
«Bei uns sagen wir aber, es sei ein Mann, keine Frau, der diese Untat begangen hat und nun seine Strafe auf dem Mond verbĂĽsst.» «Tatsächlich?»
Bernhard blickt prĂĽfend in die Höhe. Er kratzt sich im Nacken. Dann schĂĽttelt er den Kopf. «Damit liegt Europa falsch», sagt er mit Nachdruck. «Feuerholz sammeln immer die Frauen. Ist es nicht so? Wenn wirklich jemand da oben ist, dann ganz gewiss eine Frau!»

LeserInnenstimmen/Presse

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