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Offene Schweiz

(11.11.2000) Ab und zu erstaunt es mich, wie schwer sich manche Leute tun, wenn sie einem fremden Namen begegnen. Füher fiel mir dies nicht auf. Dann heiratete ich und nahm den klingenden Südländernamen meines Mannes an: Morello. Und ich staune nun, wie variantenreich man sich meinem Namen nähern kann. Ich höre: Moreno, Morelli, Morella, Martelli, Mordillo – Man gewöhne sich daran, sagt mein Mann. Schade, denk ich. Denn eigentlich heisse ich Morello und nicht Moreno, Morelli, Morella, Martelli, auch nicht Mordillo.

Hinter dem Unvermögen, sich fremde Namen zu merken, vermute ich keinen schlechten Willen. Eher das urtypische Gefühl, es sei ja doch Sache der Fremden, sich anzupassen. Und zufrieden zu sein mit dem, was man ihnen gibt. Auch mit einem falschen Namen.

Als ich noch Nötzli hiess, wurde ich nie falsch angeredet. Auch wer Müller oder Guggenheim heisst, muss nicht mit allem rechnen. Wohl aber einer namens Kovacevic oder eine namens Subramaniam. Auch wer sich in der Schweiz integrieren soll, hat aber ein Recht auf den eigenen, vollständigen Namen, finde ich. Vielleicht braucht es dafür einfach noch etwas mehr guten Willen. Nicht bei Kovacevic und Subramaniam. Sondern bei Müllers, Guggenheims und Nötzlis.


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