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An Elefanten denken

(19.11.2008) In einem Schulzimmer im südlichen Afrika schreibt die Lehrerin ein grosses E an die Wandtafel. „E steht für Elefant“, sagt sie. „Wisst ihr, wie ein Elefant aussieht?“ Da fliegen die Hände in die Höhe. Vier dicke Beine, natürlich! Ein runder Bauch. Zwei grosse Ohren und vor allem: Die lange Nase, der Rüssel. Teil um Teil zeichnet die Lehrerin, was die Schüler vorschlagen – bis das Tier vollständig von der Tafel schaut. „Ja, das ist ein Elefant“, lobt die Lehrerin. „Zumindest ein Elefantenbild. In Wirklichkeit sind Elefanten aber grösser. Kinder, wisst ihr, wie gross sie sind?“
So gross wie ein Auto, schlägt ein Junge vor. Die Lehrerin lächelt. „Hat jemand von euch schon einen lebenden Elefanten gesehen?“, fragt sie. „In einem Tierpark, vielleicht?“
Jetzt bleiben die Hände unten.
„Ich auch nicht“, tröstet die Lehrerin. „Aber als Kind wohnte ich nur fünfzig Kilometer vom grossen Nationalpark entfernt. Leider fuhren wir nie hin, dafür hatten wir kein Geld. Elefanten, so stellte ich mir damals vor, wären etwa so gross wie Stiere.
Eines Morgens war unser Maisfeld zertrampelt. Von den Kühen des Nachbarn, dachten wir, doch es gab keine Spuren von Kühen. Überall fand sich nur ein grosser, runder Abdruck. Als hätte jemand einen schweren Topf Schritt für Schritt in die Erde gepresst. – Wir rätselten noch über diese Verrücktheit, da fuhren Wildhüter vom Park mit dem Jeep ins Dorf: ‚Ein Elefant ist durch die Zäune gebrochen, habt ihr ihn gesehen?’, fragten sie. Wir sagten ‚Nein’, doch sie lachten und riefen: ‚Hier ist seine Spur.’ Der Kochtopf. Es war die Spur eines Elefanten! Wie bin ich damals erschrocken. Die Füsse allein schon so breit wie Kochtöpfe – wie riesig muss da erst das ganze Tier sein?“
Die Schüler staunen mit runden Augen. Macht die Lehrerin Spass?
„Nein, nein, es ist wirklich wahr. Elefanten sind gross wie ein Strohdachhaus!“ Die Lehrerin seufzt. „Tierparks in Afrika sind nur für reiche Leute“, meint sie etwas bitter. „Und in unseren Köpfen bleiben Elefanten klein wie Kühe.“ Dann lächelt sie wieder: „Dafür kennt ihr jetzt das E. E steht für Elefant!“


Wahlen in Simbabwe

(22.05.2008) Die Tonga, eine ethnische Minderheit, leben im Nordwesten Simbabwes. «Ich liebe die Tonga, sie sind so eindeutig», sagt ein Mann aus Bulawayo. «Ein Ja ist bei ihnen ein Ja und ein Nein ist ein Nein.» Und dann erzählt er eine Geschichte: Einmal erhielt ein Dorf der Tonga den Auftrag, sich demnächst für eine Propaganda-Veranstaltung der Regierungspartei bereitzuhalten. Sie sollten alles vorbereiten, Stühle herbeischaffen, für Essen sorgen.
Als die Zanu-Leute in ihren klimatisierten Wagen zum festgelegten Zeitpunkt vor Ort erschienen, war aber kein Mensch da. Dafür wurden die Ankömmlinge mit ohrenbetäubendem Gebell begrüsst. Über Nacht hatten die Dorfbewohner sämtliche Hunde der Gegend am Platz festgebunden, nicht zwei oder drei, auch nicht zehn oder zwanzig: Über hundert sollen es gewesen sein, die sich nun, im Anblick der fremden Gesichter, die Kehle aus dem Leib kläfften.
«So deutlich wie diese Tongas, sollten wir es alle sagen», kommentiert der Erzähler, «Auch Ende Juni, bei der Stichwahl: es ist genug! Wir haben diese Regierung satt. Es muss endlich etwas Neues kommen.»
Hoffen ist erlaubt in Simbabwe. Die Menschen hoffen auf eine bessere Zukunft. Seit den Wahlen im März ganz besonders.


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