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Einschneien lassen

(15.01.2007) Manchmal im Winter ĂĽberkommt es mich. Dann lass’ ich mich einschneien. Ideal ist ein Tag mit 17 unabdingbaren Terminen. Wenn dann morgens diese besondere Stille herrscht, die Zugerstrasse nicht rauscht, weil der frische Schnee den Verkehr und den Alltag bremst. Sich dann zurĂĽcklehnen: Stopp. Time out. Wir sind – ich bedaure – hier oben auf 700 Meter heute leider eingeschneit, meine Lieben. Das ist höhere Gewalt.
Frischen Salat gibt es im Volg nebenan. Die Kinder gehen zu Fuss zur Schule. Der Kollege kann warten – der Schnee machts möglich. Und der Hund? Darf fĂĽr einmal im Garten brĂĽnzeln. Und Krähen jagen bis zum Zaun. Ausserdem haben wir gar keinen Hund.
Sich hinsetzen, dann, wenn alle versorgt, abgesagt oder verschoben sind. Das stumme Weiss vor dem Fenster belauschen. Sich etwas Zeit in der Zeit gönnen und einen Tee. Welche Lebensqualität! Aber so etwas gehört sich nicht. Nicht heute. Nicht hier. Ein hübscher Traum ist’s. Vielleicht. Und morgen ist ein Tag. Mit 17 unabdingbaren Terminen. Auf dass es schneie heut nacht!


Der normale Wahnsinn

(20.05.2006) KĂĽrzlich in der Parkgarage, zwischen TĂĽten und Taschen verstauen, Wägeli zurĂĽckstellen, den JĂĽngsten ständig im Focus, auf dass er und auch sonst nichts zu Schaden kommt, bin ich ziemlich in Eile, weil die Mittlere bereits um elf von der Schule zurĂĽck ist, ausnahmsweise, und auch weil das Mittagessen, die Aufgaben, der Zahnarzttermin, die Musikstunde, die Wäsche, das Blinklicht noch am Auto hinten rechts, und, wenn es drin liegt, die Skis vom Service holen, bitte, der Bon liegt auf dem Kästchen neben dem Telefon – und will ich eben das Ausfahrtsticket bezahlen und krame nach MĂĽnz und der JĂĽngste quengelt, er will dann den Batzen einwerfen, Maamiii, ja, klar, – da sehe ich sie beim Automaten nebenan stehen und auch sie blickt gerade auf und wir reagieren zugleich: Die alte Kollegin! Seit zehn Jahren nicht gesehen! Hallo. Hei. Wie war doch ihr Name? Renate, glaub ich. Die Leute stauen sich und ich mache ja vorwärts, und steck die MĂĽnze in den Schlitz und der Kleine brĂĽllt los, sorry, hab's glatt vergessen, nächstes Mal, ganz sicher, komm jetzt. Doch dann zögere ich kurz und geh' doch noch mit dem bezahlten Ticket in der Hand und dem schreienden Sprössling am Arm die zwei Schritte und sag: Du siehst, jetzt reicht es fĂĽr nichts und es nimmt mich doch wunder, wie es euch geht und alles. Und sie sagt sie mit feinem Lächeln: Ja, ja, es läuft gut. Einfach wie bei Dir – der ganz normale Wahnsinn!

Renate, hab Dank! Weiss ich doch jetzt endlich, was ich, ich täglich tue: Ich halte dem ganz normalen Wahnsinn stand.


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